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Intensive Sommermonsunregen 2010 in Westafrika – der Trend zu feuchten Regenzeiten setzt sich fort
Zusammenfassung
Die Niederschlagsmenge während des Sommermonsuns im Jahr 2010 fiel in den meisten Teilen Westafrikas überdurchschnittlich aus. Außergewöhnlich viel Niederschlag wurde im nördlichen Sahel und in einigen Gebieten der Guinea-Küste beobachtet. Das Jahr passt somit in die jüngste Periode feuchter Monsunjahre. Mögliche Entwicklungen des Monsunniederschlages in den kommenden Jahrzehnten werden derzeit und in den kommenden Jahren am IGM Köln erforscht.
Jahresniederschlag
An der Guineaküste, besonders in Benin, Togo und Teilen der Elfenbeinküste, wurden verbreitet Jahres-Gesamtniederschläge um 1500 mm gemessen (Abb. 1). Im historischen Vergleich liegen diese Werte an vielen Stationen um etwa 20-50 % höher (Abb. 2) als der Mittelwert der Klimanormalperiode (1961-1990).
Abb. 1: Niederschlagssummen (in mm) für das Jahr 2010 in Westafrika (Stationskarte in Abb. 5)
Abb. 2: Prozentuale Abweichung des Jahresniederschlag 2010 vom Klimamittel
Im nördlichen Bereich des Westsahels (Süd-Mauretanien und Senegal) fielen übernormal starke Jahresniederschläge. In Mauretanien traten teilweise zwei- bis dreimal so hohe Absolutwerte auf wie im Vergleich zum Mittelwert (hier: 1971-2000). Auch in anderen Teilen der Sahelzone (Mali und Niger) traten stärkere Niederschläge auf als im Mittel. Im historischen Vergleich liegt der Jahresniederschlag 2010 um 20% bis 70% höher.
Es gab jedoch auch Regionen, in denen Stationen im Vergleich zum Klimamittel unterdurchschnittliche Jahressummen gemessen haben. Zum Beispiel meldete Conakry an der Küste von Guinea eine Jahressumme von 3234,7 mm für 2010, was nur rund 80 % des Klimamittels entspricht. Auch in Ghana südlich von 8°N und der nördliche Teil von Benin um etwa 10°N (Sudanzone) verzeichneten einige Stationen weniger Niederschlag als im Durchschnitt. Besonders fallen die ghanaischen Stationen Kumasi (74,3 %) und Kete Krachi (82,3 %) sowie Kalale (89,5 %) und Bembereke (90,6 %) in Benin auf.
Hauptregenzeit (JJAS)
In Benin fielen während der Hauptregenzeit in den Monaten Juni, Juli, August und September teilweise über 1000 mm Niederschlag (Abb. 3; Zagnanado: 1327,1 mm). Erwartungsgemäß traten während der vier Monate im Sahel häufig weniger als 300 mm auf. Im Vergleich zur Klimanormalperiode (Abb. 4) fiel in der Sahelzone überdurchschnittlich viel Regen. Die Guineaküste war im westlichen Bereich (Elfenbeinküste, Ghana) zu trocken und im östlichen Bereich eher zu feucht (Togo, Benin, Nigeria). Im südlichen Benin ist eine starke Variabilität, vermutlich aufgrund einzelner konvektiver Niederschläge, festzustellen. In dieser Region traten in Dogbo nur 331,6 mm (70,7 % des Normalwertes) auf, in Lonkly fielen hingegen 1214,5 mm (245,5 %).
Abb. 3: Niederschlagssummen (in mm) der Monate Juni, Juli, August und September 2010
Abb. 4: Prozentuale Abweichung der Niederschlagssumme Juni, Juli, August und September 2010 vom Klimamittel
Betrachtung einzelner Monate
Ungewöhnlich starke Niederschläge traten während der Monate September und Oktober in Mauretanien, im Oktober in Nordbenin und Südwestniger und im November in Süd-Togo und Süd-Benin auf. Während des Rückzugs des Monsuns, werden zu dieser Zeit gewöhnlich keine starken Niederschläge mehr beobachtet. Akjoujt (Mauretanien) meldete im Oktober 91,8 mm Niederschlag (Mittel: 1,7 mm). An den Stationen Kandi und Gaya wurde im Oktober beispielsweise im Vergleich zum Klimamittel in etwa die sechsfache Niederschlagsmenge gemessen (Kandi 205 mm (Mittel: 34,1 mm); Gaya 121,5 mm (Mittel: 17,1 mm)). In Benin, wurden an der Station Sakete beispielsweise im November 307,3 mm (Mittel: 60,6 mm) Niederschlag beobachtet.
Ausblick
Seit den Dürreperioden in den 1970er und 1980er Jahren fällt in Westafrika wieder mehr Niederschlag. Eine Rückkehr zu normalen Niederschlagsmengen zeichnet sich im langzeitlichen Trend ab. Die derzeit gängige Interpretation der wieder zunehmenden Niederschläge ist eine Umstellung der Verteilung der oberflächennahen Wassertemperaturen im tropischen Atlantik. Diese häufig „Atlantic Meridional Oscillation (AMO, Periode 30-40 Jahre)“ genannte, interne natürliche Klimaschwankung überdeckt derzeit vermutlich eine potentielle Niederschlagsveränderung durch den Treibhauseffekt. Daher gehen Wissenschaftler davon aus, dass der Trend zu übernormalen Niederschlägen im tropischen Westafrika in den nächsten 2-3 Jahrzehnten durch eine positive Phase der AMO anhält – unabhängig von immer möglichen, einzelnen dazwischen liegenden Dürrejahren. Längerfristig und im Hinblick auf den Treibhauseffekt scheint nach derzeitiger Kenntnis sowohl eine feuchtere als auch trockenere Sahelzone möglich. Voreilig scheint daher zum jetzigen Zeitpunkt die Interpretation, dass die derzeitige feuchtere Phase schon ein Zeichen des Treibhauseffektes ist und ein beginnendes Analogon zum feuchten Holozän mit wärmeren nordhemisphärischen Monsunkontinenten im Sommer und einer grünen Sahara darstellt.
Die Erforschung der zukünftigen Niederschlagsentwicklung in Westafrika im Zusammenspiel von natürlichen Schwankungen (z.B. AMO) und anthropogenen Trends durch Treibhausgase und veränderter Landnutzung wird in den folgenden Jahren am Institut für Geophysik und Meteorologie analysiert. Dies geschieht u. a. in einem vom BMBF geförderten Projekt im Rahmen der MIKLIP (Mittelfristige Klimaprognose, 2011-2015)-Initiative.
Danksagungen
Ein Dank geht an die Wetterdienste und Korrespondenzen für die Bereitstellung der Niederschlagsdaten als Grundlage für die Analyse der Niederschlagsverteilung in Westafrika.
Verwendet wurden Daten von ACMAD (African Centre of Meteorological Applications for Development), welche u. a. von Andre Kamga und Athanase Bizimana zur Verfügung gestellt wurden. Weitere Daten stammen von Ernest A. Afiesimama von NIMET (Nigerian Meteorological Agency) und von Sylvester K. Danuor, Leonard K. Amekudzi und Charles Yorke von GMET (Ghana Meteorological Agency) sowie vom beninischen Wetterdienst (BDMET) und von der Datenbank des GHCN (Global Historical Climatology Network). Darüber hinaus sei Peter J. Lamb und Issa Lele (University of Oklahoma), Sharon E. Nicholson (Florida State University), Jimmy Adegoke, Alpha B. Barry (Meteogui/Conakry) und Gerhard Asmussen (Seewetteramt Hamburg) für die Bereitstellung von Niederschlagswerten gedankt.
Autoren:
Malvin Schneidewind mschne21(at)uni-koeln.de
Prof Dr. Andreas H. Fink fink(at)meteo.uni-koeln.de
Dr. Volker Ermert vermert(at)meteo.uni-koeln.de





